Eine Platte auflegen dauert länger, als eine Playlist zu starten, und genau darin liegt der Reiz. Man wählt ein Album aus, nimmt es aus der Hülle, legt es auf, senkt die Nadel und hört zwanzig Minuten lang zu, bis die Seite endet. Dieses bewusste Hören ist etwas, das Streaming systematisch verlernt hat, und es erklärt, warum Vinyl seit über fünfzehn Jahren wächst.
Das Angebot ist inzwischen sehr breit. Neuveröffentlichungen erscheinen fast durchgehend parallel auf Vinyl, oft in mehreren Varianten. Wiederveröffentlichungen bringen Klassiker aus allen Jahrzehnten zurück, häufig neu gemastert. Farbige Pressungen, Picture Discs und limitierte Auflagen sprechen Sammler an, wobei farbiges Vinyl gelegentlich etwas mehr Nebengeräusche zeigt. Boxsets fassen ganze Diskografien oder erweiterte Ausgaben zusammen. Auch Gebrauchtplatten sind ein riesiger Markt, auf dem sich hervorragende Aufnahmen für kleines Geld finden lassen.
Bei der Auswahl helfen einige Kriterien. Das Gewicht von 180 Gramm sorgt für Laufruhe und Stabilität, sagt aber weniger über den Klang aus als das verwendete Master. Angaben wie vom analogen Originalband oder halfspeed mastered deuten auf sorgfältige Produktion hin. Bei Doppelalben mit 45 Umdrehungen pro Minute ist die Klangqualität meist höher, weil mehr Rille pro Sekunde zur Verfügung steht. Bei gebrauchten Platten beschreibt eine übliche Zustandsskala von Mint bis Poor sowohl Platte als auch Hülle.
Preislich sind Gebrauchtplatten oft sehr günstig, Standardpressungen liegen im Mittelfeld, und limitierte Editionen, audiophile Pressungen sowie Boxsets bilden das obere Ende.
Stöbere durch das Angebot, vergleiche die Preise und leg wieder selbst auf.
Die gängige Goldmine-Skala reicht von Mint für ungespielte Neuware über Near Mint, Very Good Plus und Very Good bis zu Good, Fair und Poor. Very Good Plus bedeutet leichte Gebrauchsspuren ohne hörbare Beeinträchtigung und ist für die meisten Käufer ein guter Kompromiss aus Preis und Qualität. Ab Good sind deutliche Störgeräusche zu erwarten. Die Angabe erfolgt üblicherweise getrennt für Platte und Hülle, etwa als VG+ / VG.
Die häufigste Ursache ist Staub in der Rille, der sich mit einer Kohlefaserbürste vor jedem Abspielen weitgehend entfernen lässt. Statische Aufladung zieht zusätzlich Staub an, wogegen antistatische Innenhüllen und gelegentliche Nassreinigung helfen. Dauerhaftes Knacken an derselben Stelle deutet dagegen auf einen Kratzer hin, der sich nicht beheben lässt. Auch eine abgenutzte Nadel erzeugt zunehmende Nebengeräusche und schädigt dabei die Platte.
Traditionell galt schwarzes Vinyl als klanglich überlegen, weil der beigemischte Ruß dem Material bessere Eigenschaften verleiht. Moderne Produktionsverfahren haben den Unterschied stark verringert, sodass gute farbige Pressungen heute kaum noch auffallen. Picture Discs mit aufgedrucktem Bild sind allerdings weiterhin klanglich klar im Nachteil und eher Sammlerstücke. Wenn dir der Klang wichtiger ist als die Optik, bleibt schwarzes Vinyl die sichere Wahl.
Immer senkrecht stehend und niemals gestapelt, denn unter dem eigenen Gewicht verziehen sich Platten dauerhaft. Das Regal sollte voll genug sein, dass die Platten sich gegenseitig stützen, aber nicht so eng, dass die Hüllen leiden. Ersetze Papierinnenhüllen durch antistatische Kunststoffvarianten, weil Papier die Oberfläche mit der Zeit fein zerkratzt. Halte die Sammlung fern von Heizungen, Fenstern und feuchten Kellerräumen.